~ Flaschenwasser ~

   Der Konsum Flaschenwasser ist der Bereich der gesamten Nahrungs- und Getränkeindustrie, der am Dynamischsten wächst; er steigt jedes Jahr um durchschnittlich 7% an, vorallem in Ländern, in denen die Menschen Zugang zu überdurchschnittlich gutem Wasser haben. Ein seltsames Phänomen, das mehr in den Bereich ‘Lifestyle’ als ‘Gesundheit’ einzuordnen ist. In Flaschen abgefülltes Wasser wird mit Gesundheit, Vitalität und Wohlbefinden assoziiert, was von der Werbung massiv gefördert wird. Dabei haben Untersuchungen immer wieder gezeigt, dass die Qualität von Flaschenwasser oft nicht besser ist als die von Leitungswasser. Oder schlechter. Oder identisch - denn oft genug wird einfach Leitungswasser als Flaschenwasser angefüllt.

   Im Jahr 2004 hatte der Weltkonzern Coca Cola einen PR-Gau, weil bekannt wurde, dass das von ihnen auf den Markt gebrachte teure Mineralwasser Dasani (Preis: 95 Pence/ ca. 1,43 Euro pro Liter) lediglich in Flaschen abgefülltes Wasser war, das direkt aus einem Leitungshahn einer englischen Kleinstadt kam. Preis für das Leitungswasser: 0,03 Pence pro halber Liter. Ein weiteres Desaster erlebte Coca Cola, als nach Bekanntgabe dieses Skandals auch die deutsche Marke Bonaqua untersucht wurde, die von Johannes B. Kerner für eine Millionengage beworbenen wurde. Bonaqua bestand zu 99,9 Prozent aus normalem Leitungswasser, Coca Cola erklärte, der hohe Verkaufspreis sei auf “qualitätssteigernde Verarbeitungsprozesse” zurückzuführen. 2002 und 2003 wurden jeweils etwa 170 Millionen Liter des Tafelwassers Bonaqua verkauft. Schon Ende der 90er Jahre war bekannt geworden, dass Pepsi Leitungswasser aus dem öffentlichen Trinkwassersystem von 11 USA-Städten als Aquafina-Wasser auf dem Markt gebracht hatte - mit Etiketten, auf denen unberührte Natur abgebildet war.

Bei Flaschenwasser gelten allerdings unterschiedliche Qualitätsstandards:

  • Heilwässer (hoher Qualitätsstandard, strenge Klassifizierungsvorschriften, müssen auch eine heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung nachweisen können. Aber schon die Zugabe von Kohlensäure eröffnet eine Gesetzeslücke, dann darf Heilwasser als Mineralwasser verkauft werden)
  • natürliche Mineralwässer müssen in Deutschland amtlich anerkannt werden (hoher Qualitätsstandard)
  • Quell- und Tafelwässer (geringerer Qualitätsstandard, dürfen Verunreinigungen enthalten)

   Natürliches Mineralwasser muss aus unterirdischen Quellen abgefüllt sein. Mittlerweile ist der Bedarf an Mineralwasser jedoch so stark gestiegen, dass Wasser aus immer tieferen Reservoirs hochgepumpt und dann abgefüllt wird. Das trägt zu einem erheblich höheren Mineraliengehalt im Wasser bei.
   Nach Victor Schauberger ist dagegen nur Oberflächenwasser ‘reifes’ und somit zur Verwendung geeignetes Wasser. Wasser, das von selbst aus der Erde kommt, hat grundlegend andere Eigenschaften als aus der Tiefe hochgepumptes Wasser. Unter anderem wirken die Gesteinsschichten, die ‘reifes’ Wasser passiert, während es an die Oberfläche hochsteigt, eine Art Filtrierung bzw.
Entmineralisierung des Wassers. Quellwasser ist daher meist sehr mineralarm und dadurch perfekt für seine eigentliche Aufgabe als Transportmedium in unserem Körper geeignet.

   Die Mineral- und Tafelwasserverordnung schreibt übrigens weniger Grenzwerte vor als die Trinkwasserverordnung, die die Qualität unseres Leitungswassers regelt. So darf z. B. Leitungswasser nur 10 mg/ Liter Arsen enthalten, Mineralwasser bis zu 50 mg/ Liter.

   Was auch immer in den Flaschen enthalten sein mag, die wir kaufen: Flaschenwasser hat einen langen Weg hinter sich, bevor es bei uns landet. Selbst wenn es in Glasflaschen abgefüllt ist (der Trend geht deutlich in Richtung Plastikflaschen; unnötig zu sagen, dass Plastik nicht gerade gesundheitsförderlich ist), selbst wenn es mineralarmes, prinzipiell gutes Quellwasser sein sollte: Dieses Wasser wurde Wochen, wenn nicht Monate vor dem Verzehr abgefüllt. Wenn Sie ein Glas Wasser auch nur einige Tage herumstehen lassen hätten - hätten Sie noch Lust, es dann zu trinken, oder wäre es Ihnen zu abgestanden? Frisch geöffnete Flaschen suggerieren frisches Wasser. In Wirklichkeit ist dieses Wasser jedoch schon seit dem Moment der Abfüllung nicht mehr frisch und lebendig gewesen.

   Die Stiftung Warentest wies 2002 auch darauf hin, dass Abbauprodukte aus Kunststoffflaschen (PET-Flaschen) in das Wasser übergehen können und nicht nur zu Geschmacksbeeinträchtigungen, sondern in höheren Dosen auch möglicherweise zu Zellschädigungen führen können. Die Menge sei gering, aber, so die Stiftung Warentest, “im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollte Acetaldehyd in Wässern für Säuglinge nicht vorkommen.”
Zusätzlich zu Geschmacksbeeinträchtigungen

   Eine Untersuchung des Biologen Martin Wagner von der Universität Frankfurt hat z. B. in 12 von 20 untersuchten Mineralwässern östrogenaktive Hormone gefunden. Wagner vergleicht die gemessenen Werte mit denen in Kläranlagenabwässern. Die Sexualhormone stehen im Verdacht, zu schwerwiegenden Veränderungen zu führen, z. B. am Brustdrüsenwachstum. Sie können auch die Prostata, die Spermienqualität und möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinflussen und spielen möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von Diabetes oder Fettleibigkeit. Die Belastung von Mineralwässern, die in PET-Flaschen oder Tetrapaks abgefüllt waren, lagen dabei etwa doppelt so hoch wie bei Mineralwasser in Glasflaschen. Möglicherweise sind es die Weichmacher, die in den Kunststoffverpackungen, die zu diesem erhöhten Hormongehalt führen.
Besonders problematisch bei Hormonen ist, dass selbst niedrigste Mengen bereits zu den erwähnten Nebenwirkungen führen können.

   PET-Flaschen sind trotzdem, was die Ökobilanz angeht, immer noch besser als PVC-Flaschen, weil PET leichter ist und sich zudem besser recyceln lässt. Werden die Flaschen verbrannt, entstehen bei ihrer Verbrennung weniger Giftstoffe als bei PVC-Flaschen. Diese Giftstoffe landen natürlich letztlich wieder zumindest zu einem Teil in unserem (Trink-)Wasser ...

   Nicht nur der Inhalt von Flaschenwasser, auch die Ökobilanz von Flaschenwasser ist ziemlich katastrophal. Mineralwasser ist insgesamt sicher besser als unbehandeltes, belastetes Leitungswasser, aber aus gesundheitlicher, finanzieller und ökologischer Perspektive keine Lösung für den Dauergebrauch. Davon einmal abgesehen: Selbst wer Flaschenwasser trinkt - wer geht wirklich so weit, seinen Kaffee damit zu kochen, Nudeln, Reis oder Gemüse, oder sein Obst darin zu waschen? Denn auch hierüber gelangen natürlich Inhaltsstoffe aus dem Wasser in unseren Körper.